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Daniel Koburger
KBL Koburger Law

Daniel Koburger ist Referent beim nächsten Medien.NRW.Webinar und Experte für Media Law mit Schwerpunkt Games. Er ist Partner und Gründer von KBL – Koburger Law, einer transatlantischen Rechtsanwaltskanzlei in New York und München. In dieser Tätigkeit vertritt er US und EU Mandate aus den Bereichen Video Games, Tech, Media Law und Start Up.

Mediennetzwerk.NRW: Hallo Daniel! Danke, dass du Zeit für uns hast. Wir erreichen dich in New York? Kannst du uns kurz beschreiben, wie das Leben und Arbeiten in deiner Wahlheimat gerade ist?

Daniel Koburger: Die Metropole New York ist gesellschaftlich und wirtschaftlich wahrscheinlich DER Mittelpunkt unserer Welt, auch der Grund warum ich hier meine Zelte aufgeschlagen habe. Unbehelligt von den Folgen der Pandemie ist aber auch New York nicht: Der Tourismus ist wegen des Travelbans stark eingebrochen, ein Großteil der New Yorker, die es sich leisten können, sind seit Pandemiebeginn in Ihren Ferienwohnungen. In den Wintermonaten gibt es außerdem keinen ernstzunehmenden Gastrobetrieb, daher auch kein Nachtleben und die U-Bahnen sind gefühlt auf 10-20% Passagieraufkommen geschrumpft. Mein beruflicher Alltag hat sich dennoch kaum verändert, bis auf die Tatsache, dass man neuerdings in den U-Bahnen immer einen Sitzplatz bekommt und die Arbeitstage noch länger geworden sind, weil viele Veranstaltungen und private Treffen wegfallen.

Siehst du gravierende Unterschiede in der internationalen Rechtslage im Vergleich zur Lage in Deutschland bzw. der EU in Bezug auf Streaming-Plattformen? Können die einen von den anderen lernen?

Ja und nein. Es gibt, grob skizziert, zwei Lager. Länder, die Plattformen und Rechteinhabern prinzipiell mehr Freiheit und Schutz gewähren, z.B. europäische Staaten und die USA. Sie stehen im Gegensatz zu Ländern wie China, Russland, Türkei usw. welche zumindest in der Außenwahrnehmung wesentlich restriktiver, teils bis hin zur Zäsur, agieren.

„Den Plattformen wird, trotz neuer Gesetzgebung, sehr viel Freiheit eingeräumt.”

Daniel Koburger

Schauen wir aber auf den üblicherweise relevanten Mark für deutsche Entwickler, also USA und Europa, so stelle ich zweierlei Ähnlichkeiten fest: Die Rechts- und Interessenlage ist ganz grundsätzlich vergleichbar, auch wenn im Einzelfall unterschiedliche Ergebnisse erzielt werden. Den Plattformen wird, trotz neuer Gesetzgebung, sehr viel Freiheit eingeräumt. Ebenso ist man bestrebt Rechteinhaber weitestgehend zu schützen, versucht dies aber vor allem in die Hand der Plattformen und User zu legen. Zweitens: Der Markt wird durch private U.S. Unternehmen dominiert. Die Stakeholder sind hier u.a. Twitter, Facebook, Microsoft, Apple, Google, etc. Paart man deren Dominanz mit der Weite des digitalen Raums und dem Speed, in dem sich der freie digitale Raum schneller als der Gesetzgeber und die Entwicklung von möglichen technischen Einschränkungen bewegt, so wird vieles letztlich nach Gutdünken durch die Stakeholder kontrolliert. Dies trifft für USA und Europa gleichermaßen zu. Da ändern auch EU-Sanktionen vorerst nichts.

Wie wertvoll ist das Verzeichnis für Let’s-Plays-Lizenzen, das der game-Verband erstellt hat? Kannst du eine andere Quelle oder ein Nachschlagewerk für Gamer empfehlen, die sich im Vorfeld des Webinars schon besser informieren möchten?

Sehr zu empfehlen! Urheberrecht, bzw. Copyright genießen berechtigter Weise sehr hohes Ansehen beim Gesetzgeber, werden dementsprechend auch stark geschützt. Viele Streamer haben dafür aber kein Verständnis oder tatsächlich keine Kenntnis davon. Ein Nachschlagewerk ist da selbstverständlich sinnvoll. Aber, jeder Streamer sollte prinzipiell erstmal davon ausgehen, dass es nicht erlaubt ist, was sie oder er da macht. Eine explizite Erlaubnis kann dann, auch wenn das etwas komplizierter ist, aus den End User License Agreements (also den AGB und Lizenzverträgen, die man so nonchalant immer bejaht) gelesen werden.

„Das Webinar soll viel mehr praktisch und konkret sein. Es soll Streamern einen Fahrplan bieten, was alles zu beachten ist, um einen ganzheitlich „legalen“ Stream hinzubekommen.”

Was erwartet die Teilnehmer:innen des Medien.NRW-Webinars

In jedem Fall nicht eine theoretische Abhandlung. Das Webinar soll viel mehr praktisch und konkret sein. Es soll Streamern einen Fahrplan bieten, was alles zu beachten ist, um einen ganzheitlich „legalen“ Stream hinzubekommen. Das fängt an bei der Gewerbeanmeldung und Rights Clearance für den Content bis hin zu „Wie mach ich richtig Werbung?“ oder „Wie schütze ich mich gegen unberechtigte Take Down Notices?“. Ebenso wird das Webinar auch die andere Seite beleuchten, nämlich: Wie kann ein Studio oder Composer seine Rechte durchsetzen? Auch hier möchte ich einen Werkzeugkoffer an die Hand geben, damit diese verstehen welche Fremdnutzung des Contents unberechtigt ist und wie man sinnvoll dagegen vorgeht.

Das Interview erschien auch im Magazin der Film- und Medienstiftung NRW in der Mediennetzwerk.NRW-Rubrik.


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