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Martin Rieger – VRTONUNG

Die meisten denken bei XR erstmal an ein visuelles Erlebnis. Richtig realistisch werden XR-Erlebnisse aber erst durch den passenden Ton. Und genau dafür sorgt Martin Rieger, denn er ist spezialisiert auf 3D Audio. Das heißt, er vertont immersive Projekte mit räumlichem Ton. Sein Ziel ist es, nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, sondern das volle Potential des sogenannten „Spatial Sounds“ auszuschöpfen und mitreißende Audioerlebnisse zu schaffen.

Mediennetzwerk.NRW: Lieber Martin, du vertonst immersive Projekte. Kannst du uns kurz erklären was es mit immersiven Medien bzw. immersivem Audio auf sich hat?

Martin Rieger: „Immersion“ ist ja ein ziemliches Buzzword geworden. In der Audio-Welt versteht man unter dem Begriff die dritte Dimension der Tonwiedergabe. Mono (0D), Stereo (1D), Surround (2D) und jetzt eben immersive Audio (3D). Der Ton kommt also nicht nur von links oder rechts, sondern allen denkbaren Richtungen.

Aber genug von der Technik, für mich heißt es letztendlich, dass man Audio-Inhalte auch konzeptionell Stereo hinausdenkt. Die Nutzer:innen werden dadurch viel mehr Teil einer Experience. Das kann in VR sein, eine Lautsprecher-Installation im Raum aber auch über ein einfaches Paar Kopfhörer. Immersive Medien wie XR eignen sich meist besser für immersives Audio, als klassische Medien wie TV und Radio und bieten einfach mehr Spielraum den Ton frei zu inszenieren.

Man spricht auch gerne davon, ein „einhüllendes“ Audioerlebenis zu schaffen, das sich so natürlich wie die Realität anfühlt. Für unser Gehirn wird es dadurch einfacher, die Eindrücke zu verarbeiten und das Eintauchen in virtuelle Welten wird nachweislich verbessert.

In welchen Bereichen spielt 3D Audio bereits eine Rolle und wo könnte es in der Zukunft einen Mehrwert bieten?

Aktuell wird das Thema vor allem durch Dolby Atmos Music und Sony 360 Reality Audio vorangetrieben. Seitdem Apple auf den Zug aufgesprungen ist und „Spatial Audio“ millionenfach in Hard- und Software einbaut, wird 3D Audio gerade Mainstream. Damit stehen aktuell die typischen Consumer-Anwendungen wie Musik und Filme im Vordergrund, die mit 3D Audio eben noch etwas hübscher klingen als Stereo oder Surround. Dabei übersehen viele das wahre Potential vom immersiven Audio und von den Kinderkrankheiten abgesehen kann das Marketing auch sehr verwirrend sein.

In VR braucht man sich aber nicht mal mehr drüber streiten, ob 3D wirklich besser als Stereo ist, weil man unter anderem intuitiv den Blick der Nutzer:innen lenken kann. Wir können zwar nicht sehen, was hinter uns passiert, aber mit 3D Audio hörbar machen. Doch auch Anwendungen im Bereich der Kommunikation sind immer mehr im Kommen und lösen damit auf natürlichem Wege gegen die Zoom-Müdigkeit. 3D Audio klingt sehr nischig, aber wenn man sich ins in den Kaninchenbau begibt, wird man eine riesige Spielweise finden.

Du sagst, dass Begriffe wie „Spatial Sounds“ oder 3D Audio häufig genutzt werden um innovativ zu klingen, aber selten das eigentliche Potential der Technologie ausgeschöpft wird. Wie schaffst du es bei deinen Projekten das Beste aus der Technologie rauszuholen?

Ich experimentiere aktuell extrem viel in den verschiedensten Bereichen herum. Von Online-Marketing für Tourismus, zur Beratung in der Automobilindustrie bis zu Kunstinstallationen etwa im Deutschen Museum.

Dank mittlerweile über 50 immersive Projekte von VR über AR bis hin zu Kopfhöreranwendungen konnte ich so einige Formeln für 3D Audio entwickeln, von denen ich weiß, dass sie immer gut funktionieren. Also sei es, dass der Raumklang das Storytelling unterstützt oder die Zuhörer:innen ein Wow-Erlebnis hat, indem man sie mit dem richtigen Sounddesign vergessen lässt, dass er oder sie Kopfhörer überhaupt trägt.

Der Trick ist es, nicht irgendwelche Projekte zwanghaft 3D nachzuvertonen, um einen Stempel draufdrucken zu können. Filme etwa machen in 3D zwar mehr Spaß – die Story funktioniert aber auch in Stereo gut. Daher suche ich gezielt immersive Anwendungen, von denen ich im Vorherein weiß, dass der Ton hier einen starken Mehrwert haben wird. Heißt, ich drehe den Spieß um, setze den Sound ganz oben auf die Prioritätenliste und muss von der Konzeption bis zur Produktion keine Kompromisse eingehen.

Die Anmeldung zum Webinar am Freitag, den 26. November um 11 Uhr mit Martin Rieger ist über die Medien.NRW.App möglich.


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